In Milte kamen zum Volkstrauertag wieder zahlreiche Vereine und interessierte Bürger zur Gedenkveranstaltung am Ehrenmal. KLJB, Fanfarenzug und Spielmannszug, Feuerwehr, Reiterverein, Ehrengarde und Schützenverein sowie die Kolpingfamilie stellten Abordnungen. Auch Vertreter aus dem Rat und der Politik waren der Einladung der Kameradschaft gefolgt. Als besonderen Gast konnte der 1. Vorsitzende Wenzel Havelt in diesem Jahr Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des Medienzentrums für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, begrüßen.
Bei seiner Begrüßung am Ehrenmal betonte Wenzel Havelt die Aufgabe der Kameradschaft, zum Frieden zu mahnen und vor den Schrecken der Kriege zu warnen: „Krieg war noch nie eine Lösung! Für kein Problem. Außer vielleicht für die Probleme der Mächtigen oder derer, die an die Macht wollen oder die ihre Macht erhalten wollen. Die Definition eines äußeren Feindbildes dient in der Regel nur dazu, von innenpolitischen Problemen abzulenken.“ Heute, achtzig Jahre nach Kriegsende, einen krieg auch nur in Erwägung zu ziehen, sei Irrsinn. Auch der Gastredner, Prof. Markus Köster, selbst Historiker, führte den Zuschauern am Ehrenmal eindrücklich vor Augen, welche katastrophalen Folgen der zweite Weltkrieg auch für die Menschen im Kreis Warendorf hatte. Er erinnerte in seiner Gedenkrede an die Folgen und Bedingungen, die zur Etablierung des NS-Regimes in Deutschland und speziell im Münsterland führten. „Der Krieg hat Westfalen nicht erst in den letzten Kriegsmonaten erreicht. Der Krieg begann auch hier 1939. Als viele Männer als Soldaten ihre Familien verlassen und in den Krieg ziehen mussten – und allzuoft nicht zurückkehrten, als Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter aus Frankreich, Polen, der Sowjetunion ihre Plätze in Landwirtschaft und Industrie einnehmen mussten, als die jüdischen Bürger, denen man zuvor schon ihre Häuser und Geschäfte zerschlagen hatte, abgeholt und in die Vernichtung geschickt wurden!“ Köster betonte den Stellenwert historisch-politischer Bildungsarbeit, die dazu befähige, Sensibilität und Einsatzbereitschaft gegenüber jeder aktuellen Form von Intoleranz und undemokratischen Verhaltensweisen zu fördern. „Die Geschichte lehrt uns wachsam zu sein, wenn wieder einfache Antworten auf komplexe Fragen gegeben, wenn Desinformation zu „alternativen Fakten“ erklärt, demokratische Prozesse verunglimpft und Minderheiten diskriminiert werden“, machte Köster deutlich. Unter den Klängen des Liedes „Ich hatt´ einen Kameraden“, gespielt von der Stadtkapelle Warendorf, legte er gemeinsam mit Warendorfs stellvertretendem Bürgermeister Johannes Austermann einen Kranz am Mahnmal nieder.